Wände dünn wie Haut

„Mit  Adelheid Duvanel ist eine der wichtigsten Autorinnen der Schweiz wiederzuentdecken“, sagt Peter von Matt im zweiten von ihm zusammengestellten Erzählband „Beim Hute meiner Mutter“, postum erschienen 2004.
Ihre Texte sind von hoher Qualität und die Geschichten, die sie erzählt, sind aktueller denn je.
Adelheid Duvanel beschreibt das Leben von Menschen, die aus den Fangnetzen der Gesellschaft fallen, sie spricht von der Einsamkeit, von der Isolation und von der Beziehungslosigkeit in einer lauten, nach aussen orientierten und flüchtigen Welt
Mit ganz und gar ungewöhnlichen Bildern werden Figuren und deren Schicksale gezeichnet. Die Metaphern bleiben haften, sind unerwartet, surreal auch und zeugen von einer immensen Vorstellungskraft. Gerade diese Bildhaftigkeit in der Sprache Adelheid Duvanels kommt dem Medium Theater sehr entgegen, das ohne – innere und äussere – Bilder nicht zu denken ist.
Annie kennt Roland, seitdem sie eine zeitlang gemeinsam mit dem Bus zur Arbeit fuhren und er einmal sagte: «Schönes Wetter heute.» Klara liebt das Abenteuer im Kino und in Romanen, aber in ihren vier Wänden darf die Welt nicht beängstigend sein. Gregor hasst Veränderungen, dennoch muss er sich manchmal bewegen. Er spielt Geige an Abdankungen. Marita liebt den Pianisten, sie hört ihm beim Üben zu. Eines Tages sagt er zu ihr: „Verschwinden Sie aus meinem Leben.“ Maika liebt Walter. Marie-Lou möchte sich im Spielzeugladen einen Vater kaufen.
Wer sind Annie, Roland, Klara, Gregor, Marita und wie sie alle heissen? Welche Räume betreten sie zwischen Wachen und Schlafen?